Ein Fotoessay
Lissabon zu zweit
Ein paar Tage mit Anna in Lissabon, in Straßen, die sich zugleich neu und seltsam vertraut anfühlten.
Unser erstes langes Wochenende in Portugal, und Anna hatte eine Liste: Straßenbahnen, Pastéis de Nata, der Turm von Belém, die Paläste von Sintra, ein Tag am Meer. Wir haben alles abgehakt, sind gelaufen, bis die Beine nicht mehr wollten, und haben später zu Abend gegessen als je zu Hause. Das ist unser Wochenende, in der Reihenfolge, in der es passiert ist.
Kapitel I
Der Rhythmus der Straßen
Dann der Aufstieg zum Castelo de São Jorge. Flach kann Lissabon nicht, und Schatten haben seine Treppen auch keinen.
“Zurück durch die Alfama, wo die Wäsche wie Wimpelketten über den Gassen hängt und immer irgendwo jemand Mittagessen kocht.”
“Ein Kaffee auf einer Terrasse hoch über der Alfama, und zum ersten Mal an diesem Tag saßen wir einfach still.”
Lissabon ist auf sieben Hügeln gebaut. Am Ende des ersten Tages waren wir ziemlich sicher, dass wir jeden davon zweimal hochgelaufen waren.
“Bacalhau um zehn Uhr abends, und das Restaurant füllte sich gerade erst. Vor neun isst in Lissabon anscheinend niemand.”
Papiertischdecken, Fische auf den Kacheln und ein Kellner, der uns nicht gehen ließ, bevor wir auch noch den Bacalhau à Gomes de Sá probiert hatten.
Zwei Sagres mit den Lichtern der Stadt unter uns, und die letzte Straßenbahn nach Hause kurz nach eins.
Kapitel II
Ein Geschmack von Belém
“Der Samstag begann in Belém, in der Schlange vor den Pastéis de Belém. Zwanzig Minuten warten, zwei Törtchen pro Person direkt an der Theke und vier weitere in der Papiertüte für später.”
Im Kreuzgang war es plötzlich still. Anna hat versucht, die Bögen zu zählen. Ich habe nach der ersten Seite aufgegeben.
“Unten am Fluss das Padrão dos Descobrimentos: Heinrich der Seefahrer und halb Portugals Entdecker, alle Richtung Atlantik gelehnt.”
Zum Sonnenuntergang sind wir zurückgekommen, haben uns mit den letzten zwei Pastéis aus der Papiertüte auf die Felsen gesetzt und zugesehen, wie der Turm golden wurde.
Am Sonntag sind wir vom Bahnhof Rossio mit dem Zug nach Sintra gefahren. Vierzig Minuten später war die Stadt verschwunden, die Luft roch nach nassem Wald, und auf den Hügeln standen Paläste, die aussahen, als hätte sie sich jemand ausgedacht.
Kapitel III
Paläste im Nebel
Gelbe Türme, rote Mauern, überall Kacheln. Anna meinte, es sehe aus wie eine Hochzeitstorte, und ganz unrecht hatte sie nicht.
“Von den Zinnen sieht man an klaren Tagen bis zum Meer. Wir hatten etwa zehn klare Minuten, dann kam der Nebel zurück.”
“Monserrate war unser letzter Halt und unser Liebling: weniger Leute, ein riesiger Garten und ein Palast, der aussieht, als wäre er aus dem fernen Osten hierher spaziert.”
Kapitel IV
Hinunter ans Meer
“An unserem letzten Tag brachte uns der Bus über die Hügel zum Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlands. Danach kommt nur noch der Atlantik.”
“Die Boote der Fischer liegen im alten Hafen auf dem Sand, direkt neben den Sonnenbadenden.”
Boote in der Bucht, ein türkisfarbener VW-Bus vor einem Café und ein Nachmittag, an dem wir nirgendwo mehr hinmussten.
Irgendwo zwischen dem zweiten Eis und dem letzten Zug zurück nach Lissabon haben wir angefangen, die nächste Reise zu planen.
Wir kommen wieder
Vier Tage waren viel zu kurz. Wir sind mit Sand in den Schuhen und einer Schachtel Pastéis auf Annas Schoß nach Hause geflogen, und der Plan fürs nächste Mal steht schon: erst Lissabon, dann weiter in den Süden, an die Algarve.