MIRA Stories

Ein Fotoessay

Drei Wochen, ein Rucksack

Von den Straßen Hanois zu den Tempeln von Angkor und den Inseln im Süden Thailands.

Die letzte Prüfung meines Studiums war an einem Freitag. Am Montag saß ich mit einem Rucksack im Flugzeug: erst Vietnam, dann Kambodscha, dann Thailand. Das hier sind die Momente, die ich behalten will.

Kapitel I

Erste Tage in Hanoi

Erster Morgen in Hanoi, mit Jetlag und trotzdem hellwach. Rote Wände, Flaggen und in jeder Lücke ein Motorrad.

“Ein ganzer Obstladen auf einem Fahrrad. Am ersten Tag kaufte ich eine Tüte Mangos, und danach jeden Tag wieder eine.”

Die Altstadt im späten Licht. Ich habe mich jeden Abend darin verlaufen, mit Absicht.

So überquert man in Hanoi die Straße: langsam gehen, nie stehen bleiben und die Motorräder um sich herumfließen lassen.

Und das ist die Wand aus Motorrädern, durch die man dabei gehen soll. Ab dem dritten Tag hielt ich nicht mehr die Luft an.

Kapitel II

Ha Long Bay

Draußen auf dem Wasser zwischen den Kalksteininseln. So still, dass man die Ruder der Fischerboote hörte.

Am Nachmittag Kajak mit ein paar Fremden, am Abend zusammen Frühlingsrollen im Kochkurs.

In der einen Bucht ein schwimmendes Dorf, in der nächsten offenes Meer, und dazwischen ein kaltes Getränk am Bug.

Dann zogen Wolken auf, und die Bucht wurde noch schöner.

Kapitel III

Hoi An, Tag und Nacht

Hoi An bei Tag. Für einen Dollar lieh ich mir ein Fahrrad und fuhr an den gelben Häusern entlang, bis die Stadt zu Ende war.

“In der Altstadt schien jeder etwas zu verkaufen. Ich probierte den einen vietnamesischen Satz, den ich kannte, sie lachten, und verkauften mir das Obst trotzdem.”

Die Japanische Brücke, mein liebster Banh-Mi-Stand und das Mittagessen, das ich dort zwei Tage hintereinander hatte.

Nach Einbruch der Dunkelheit füllt sich der Fluss mit Laternenbooten.

Jeden Abend erleuchten die Laternenläden die Altstadt.
Bei ihr kaufte ich eine Kerzenlaterne und setzte sie für alle zu Hause aufs Wasser.

Kapitel IV

Von Saigon nach Phnom Penh

Ho-Chi-Minh-Stadt. Nach der Ruhe in Hoi An lief hier plötzlich alles doppelt so schnell.
Jeder Morgen begann mit einem vietnamesischen Kaffee, stark und sehr süß, bevor die Hitze kam.

Saigon bei Nacht: Plastikhocker, Nudelsuppe und eine Stadt, die nie schlafen zu gehen schien.

Von Saigon aus ging es über die Grenze nach Kambodscha.

Phnom Penh: der Königspalast in der Mittagshitze und abends die Fischerboote, die auf dem Mekong nach Hause kommen.

Kapitel V

Angkor

Ta Prohm, wo die Bäume einfach über die Tempelmauern gewachsen sind. Erst stand ich eine Weile nur da. Dann machte ich vierzig Fotos, bis kein Tourist mehr im Bild war.
Eines der über zweihundert steinernen Gesichter des Bayon. Jedes scheint einen anzulächeln.

Früh los, solange es noch kühl ist. Der Nachmittag gehört dem Hotelpool.

Die Brücke nach Angkor Thom, gesäumt von steinernen Riesen. Um zehn Uhr morgens waren die Steine schon heiß, und ich war bei meiner dritten Flasche Wasser.

Banteay Srei aus rosa Sandstein, seine Affenwächter und abends die Fahrt zurück durchs Tor, müde auf die gute Art.

Kapitel VI

Bangkok

“Wat Pho. Jeder Zentimeter dieser Stupas ist mit winzigen Keramikfliesen bedeckt. Ich war einen ganzen Vormittag dort und entdeckte immer noch Neues.”

Der Marmortempel, der sich in seinem Kanal spiegelt.
Wat Arun bei Sonnenuntergang, von der anderen Flussseite aus, mit einem kalten Bier in der Hand.
Dann ein Tuk-Tuk nach Chinatown, etwas schneller, als mir lieb gewesen wäre.
Die Yaowarat Road bei Nacht: Neonschilder, Goldläden und Essensstände, so weit man blickt. Ich wusste nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte.

Zum Abendessen gab es, was am besten roch: gegrillte Meeresfrüchte, Nudeln, Spieße direkt von der Glut.

“Eines Morgens fuhr ich zu einem schwimmenden Markt hinaus, wo die Läden per Boot zu einem kommen.”

Blumen, Obst und mehr Mango, als ein Mensch vor Mittag essen sollte.

Kapitel VII

Nordthailand

Chiang Mai, mit Papierlaternen vor jedem Tempel. Nach Bangkok fühlte es sich an, als würde die ganze Stadt durchatmen.

Wat Chedi Luang bei Tag und Doi Suthep bei Nacht, nach einer schweißtreibenden Rollerfahrt den Berg hinauf.

“Dann die Bergstraße nach Pai. Der Canyon bei Sonnenuntergang war jede Kurve wert.”

Pai ist langsam, im besten Sinn: ein Fluss, Reisfelder und sonst nicht viel zu tun. Ich blieb zwei Tage länger als geplant.

Letzter Halt im Norden: Wat Rong Khun, der Weiße Tempel in Chiang Rai.
Und auf der anderen Seite der Stadt der Blaue Tempel, der genauso blau ist, wie er klingt.

Kapitel VIII

Die Inseln

Vom Norden flog ich hinunter nach Phuket und verbrachte meine letzten Tage auf Koh Phi Phi, meistens am Strand und zum ersten Mal seit drei Wochen ohne Plan.

Maya Bay. Ich kannte sie von hundert Bildschirmschonern, und trotzdem blieb mir kurz die Luft weg.
Knöcheltief in der Maya Bay, drei Wochen nach Hanoi.

“Pileh-Lagune: Das Boot zwängt sich zwischen die Klippen, dreht einmal und zwängt sich wieder hinaus.”

Monkey Beach (Snacks gut festhalten), Kajakfahren bei Sonnenuntergang und die Klippen der Viking Cave.

Der letzte Sonnenuntergang

Drei Wochen, drei Länder, ein Rucksack und ein Handy voller Momente, die ich nie verlieren will. Bis zur nächsten Reise.

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